Nochmals aufgrund einiger Rückfragen:
Menschen mit eigener Psychiatrie-Erfahrung unterstützen andere Menschen mit psychischen Erkrankungen auf ihrem Recovery-Weg. Wie wirksam ist dieser Peer Support?
Eine große internationale randomisierte kontrollierte Studie liefert dazu wichtige neue Erkenntnisse. Untersucht wurde das Peer-Support-Programm UPSIDES an sechs Standorten in Deutschland, Uganda, Tansania, Israel und Indien. Insgesamt nahmen 615 Menschen mit langandauernden schweren psychischen Erkrankungen teil.
Die Ergebnisse sind ermutigend:
Bei den Teilnehmenden, denen Peer Support angeboten wurde, zeigten sich signifikante positive Effekte bei Empowerment und Hoffnung. Auch bei zwei Bereichen sozialer Inklusion – sozialer Isolation und sozialer Akzeptanz – wurden signifikante Verbesserungen festgestellt. Bei denjenigen, die mindestens drei Peer-Support-Termine wahrgenommen hatten, zeigte sich zudem ein signifikanter Effekt auf den Gesamtwert der sozialen Inklusion.
Dabei lohnt sich ein genauer Blick: Für den Gesamtwert der sozialen Inklusion verfehlte der Effekt in der Intention-to-treat-Analyse knapp die statistische Signifikanz. Auch für den gemessenen Recovery-Status sowie die gesundheitliche und soziale Funktionsfähigkeit wurden keine statistisch signifikanten Effekte festgestellt.
Die Studie zeigt damit gerade nicht, dass Peer Support „alles verbessert“. Sie spricht vielmehr dafür, dass seine besondere Stärke dort liegen kann, wo Psychiatrie-Erfahrene seit Langem wichtige Schwerpunkte setzen: Hoffnung, Selbstbestimmung, Zugehörigkeit und soziale Teilhabe.
Bemerkenswert ist außerdem die internationale Perspektive: Die Ergebnisse stammen aus Ländern mit sehr unterschiedlichen kulturellen und sozialpsychiatrischen Rahmenbedingungen. Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass Peer Support ein wirksamer Bestandteil einer recovery-orientierten und menschenrechtsbasierten psychiatrischen Versorgung sein kann.