Erfahrungswissen (EdE)

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Foto: A.Fuchs.selbst / pixelio.de

Im Mittelpunkt der EX-IN Ausbildung steht die Entwicklung von Erfahrungswissen. Hierzu ist es wichtig, dass jeder einzelne seine Erfahrungen reflektiert und strukturiert, so dass aus Erfahrung Wissen wird: ICH-Wissen.

ICH-Wissen bedeutet, dass die Teilnehmer Bewusstsein darüber entwickeln, wie sie sich ihre seelische Erschütterung erklären, wie sie sie in ihre Lebensgeschichte einordnen, welchen Sinn sie darin erkennen und welche Bedingungen und Strategien dabei helfen, Anforderungen und Krisen zu bewältigen. Erfahrungswissen ist zunächst etwas Persönliches, aber durch kritische Reflektion mit anderen kann es in etwas verwandelt werden, das nicht nur der einzelne weiß, sondern das mit anderen geteilt werden kann.

Es ist wichtig, dass ein Genesungsbegleiter nicht nur von seinen Erfahrungen ausgeht nach dem Motto: "was mir geholfen hat muss auch dir helfen". Viel eher ist bei der Ausbildung von Erfahrungsexperten erforderlich, einen gemeinsamen Standpunkt und eine gemeinsame Perspektive davon zu entwickeln, was hilfreiche Haltungen und Strukturen für Menschen in psychischen Krisen sind. Daher muss die Ausbildung den Teilnehmern die Möglichkeit bieten, ihre Erfahrungen auszutauschen, um "WIR-Wissen" zu entwickeln.

Wir-Wissen bedeutet zunächst, dass Menschen gemeinsame Erfahrungen entdecken. "Ja, das kenne ich, ich habe mich auch geschämt, als ich das erste Mal in die Psychiatrie kam". "Ja, genau, im Raucherraum haben mir Mitpatienten die besten Tipps gegeben, wie man sich auf Station zurechtfindet". Aber es geht beim Wir-Wissen nicht um das gemeinsam Erfahrene, sondern auch um das gemeinsam Verstandene.

Das bedeutet: auch Phänomene, die ich nicht selbst erlebt habe, kann ich durch einen intensiven Austausch verstehen lernen, durchdringen, erkennen. Und schließlich bedeutet Wir-Wissen auch eine Verständigung darüber, was nicht verstanden wird.

J.Utschakowski